
Authentisch zu sein und sich somit verletzbar zu machen fällt nicht immer leicht. Alle Masken abzulegen und zu zeigen, wer man tief innen wirklich ist, kann einem schon gefährlich vorkommen, weil man dann ja verletzt werden könnte. Lange konnte ich das nicht und auch jetzt fällt es mir oft schwer. Das Problem ist nur, dass ich gar nicht wirklich geliebt werden kann, wenn ich nicht zeigt, was tief in mir abgeht.
Meine Ehefrau kann mich nur zu dem Maß lieben, zu dem ich ihr zeige, was in meinem Herzen ist. Wenn ich ihr nie wirklich sagen würde, wie ich mich fühle, was ich denke, wovor ich mich fürchte etc., könnte sie mich auch nicht wirklich lieben. Liebe ist nicht primär ein Gefühl, sondern eine Entscheidung. Meine Frau kann sich nur zu dem Maß für mich entscheiden, wie ich mich ihr gegenüber öffne.
Intimität bedeutet, dass ich jemand in mich hineinschauen lasse. Da wird es viel Gutes zu sehen geben, evtl. aber auch einige Verletzungen und Dinge, die nicht nur schön sind. Oft ist unser Schluss daraus, dass wir nicht wirklich zeigen, was in uns ist, weil wir Angst haben, dass wir nicht mehr geliebt sind, wenn jemand sieht, was wirklich in uns ist. Der Punkt ist aber, dass uns andere Menschen auch nicht wirklich lieben können, wenn sie nicht sehen, was wirklich in uns ist.
Ich habe mich noch nie so geliebt gefühlt, wie wenn ich jemanden wirklich in mich hineinschauen ließ und er mich trotzdem liebte.
Was ist, wenn sie sehen…?
Manchmal ist es gerade als Leiter schwer zu zeigen, was wirklich in einem abgeht, weil man denkt, dass man doch ein Vorbild sein sollte.
Die Frage: “Was passiert, wenn meine Leute sehen, wer ich wirklich bin?“ hält uns oft davon ab, uns zu öffnen.
Doch habe ich bemerkt, dass ein guter Leiter nicht jemand ist, der keine Schwächen hat oder keine Schwächen zeigt, sondern jemand, der mutig und authentisch ist, von dem seine Leute das Gefühl haben, dass sie ihn wirklich kennen und ihm trotzdem nachfolgen wollen, weil sie ihn lieben, so wie er ist.
Immer stark zu sein ist nicht wirklich stark. Menschen wollen Menschen folgen mit Ecken und Kanten, nicht perfekten, schwächelosen Übermenschen. Mose könnte dir da sicher mehr dazu erzählen…
Frei oder gefangen?
Wir denken wir seien frei, wenn niemand unsere Geheimnisse und Schwächen kennt, doch sind wir eigentlich Gefangene. Und oft denken wir, dass wir Gefangene sind, wenn Andere unseren Schwächen kennen, doch sind wir genau dann eigentlich frei. Wir können erst dann uns selbst sein ohne uns zu verstellen und uns trotzdem geliebt wissen.
Wahre Freiheit ist nicht, wenn niemand weiß, wie es wirklich in dir aussieht und dich darum niemand verletzen kann. Wahre Freiheit ist, wenn deine Freunde genau wissen, wer du bist und dich darum verletzen können – doch dich eben auch wirklich lieben können.
Das ist nicht nur bei Mitmenschen so, sondern auch bei Gott und bei uns selbst. Wenn ich nie mit etwas zu Gott gehe, von dem ich mir nicht sicher bin, ob er er mich immer noch liebt, wenn ich ihm diesen Bereich von meinem Herzen zeige, erfahre ich nie, wie sehr er mich wirklich liebt. Natürlich weiß er es ohnehin. Doch ganz bewusst ihm die Bereiche unseres Herzens zu zeigen, welche nicht so schön sind, kann sich anfühlen, als ob wir dann nicht mehr so liebenswert wären, wie zuvor.
Auch kann ich mich selbst nicht lieben, wenn ich nicht ehrlich mit mir selbst bin. Sich einzugestehen, dass man Schwächen hat, aber sich trotzdem zu lieben, befähigt uns, unseren Nächsten zu lieben, wie uns selbst. Quasi zu verleugnen, dass wir Schwächen haben ist nicht Liebe für sich selbst, sondern Stolz.
Die Schützende Maske vor unseren Herzen wegzunehmen ist ein Risiko, doch ist es auch der einzige Weg, wie wir wirklich geliebt werden können.