
Du bist kein Superheld. Du hast Bedürfnisse. Diese Erkenntnis legt den Boden, um deine Bedürfnisse gesund zu stillen. Solange du denkst, dass du keine Bedürfnisse hast, wirst du sie unbewusst ungesund stillen.
Jesus hatte Bedürfnisse. Ihn verlangte es, mit seinen Jüngern das Abendmahl zu nehmen (Lk 22). Auch kennt er all unsere Versuchungen – weil er sie selbst durchmachte (Hebr 4). Warum konnte er versucht werden? Weil auch Jesus bedürftig war.
Auch Paulus hatte Bedürfnisse: im 2. Korintherbrief begegnet uns ein Apostel der verletzt wurde und vermutlich Depressionen durchmachte. Er hatte Bedürfnisse – er wusste aber wie er sie gesund stillen kann: vor dem Angesicht Gottes.
Deine Bedürfnisse werden gestillt werden: gesund oder ungesund. Wenn wir unsere Bedürfnisse nicht gesund stillen, werden wir sie ungesund stillen. Denn unser Herz gleicht einer Isomatte, die sich selbst aufbläst: “self-inflating”. Die Frage ist nicht, ob sie sich füllen wird, vielmehr: mit was? Reiner Luft oder verschmutzter Luft?
Bedürfnisse werden gestillt werden
Unsere Bedürfnisse gesund zu stillen, bedeutet unser Herz zu schützen. Unser Herz wird seine Bedürfnisse stillen. Die Frage ist, ob dies gesund oder ungesund geschehen wird: Nehmen wir an, du hast hart gearbeitet, aber niemand sieht es und niemand applaudiert dir. Das tut weh. Es frustriert. Dein Bedürfnis nach Anerkennung wurde nicht gestillt. Was nun? Versinkst du in Selbstmitleid und gibst dir selbst eine Ausrede bzw. die Erlaubnis zum “emotional Eating” (Frustessen) oder dazu Pornografie zu konsumieren? Das würde eine (kurze) Erleichterung geben. Deine Bedürfnisse wären (kurz) gestillt. Natürlich ungesund – aber immerhin vorübergehend gestillt. Oder nimmst du den Schmerz, die Frustration, die Leere und hältst sie aus in der Gegenwart Gottes? Erlebst wie sein Trost dein Herz füllt und erlebst, wie Gottes Anerkennung das ist, was dein Herz nachhaltig und gesund füllt? Das ist natürlich sehr verkürzt und vereinfacht dargestellt – aber ich denke du merkst, um was es geht:
„Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.“ Sprüche 4:23 SCH2000
Ein Zitat von Piper trifft den Nagel auf den Kopf:
“Sin is what you do when your heart is not satisfied with God. No one sins out of duty. We sin because it holds out some promise of happiness. That promise enslaves us until we believe that God is more to be desired than life itself (Psalm 63:3).” John Piper, Future Grace: The Purifying Power of the Promises of God
Gemäss Johannes ist die Liebe zur Welt ein Ausdruck davon, dass unsere Herzen noch nicht mit der Liebe Gottes erfüllt sind.
„Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt lieb hat, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm. Denn alles, was in der Welt ist, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“ 1. Johannes 2:15-17 SCH2000
Da wo Gottes Liebe mein Herz füllt, vergeht das Verlangen danach, seine Bedürfnisse ungesund zu stillen. Da geht es nicht um mehr Disziplin oder Anstrengung. Es geht darum sich mit dem Richtigen füllen zu lassen – seine Bedürfnisse gesund stillen zu lassen. In 1 Kor 6,19-20 sehen wir das selbe Muster: wenn wir unseren Wert von Gott beziehen, können wir ihn in unserem Geist und in unserem Leib verherrlichen – warum? Weil wir dann unseren Wert nicht auf ungesunde Weise beweisen oder kompensieren müssen und so frei werden, gesunde und weise Entscheidungen zu treffen.
Hinweis: Bedürfnisse zu stillen müssen wir nicht “vergeistlichen”. Statt dein Bedürfnis nach Verbundenheit oder Abenteuer mit Pornografie zu stillen (was dir natürlich ein falschen Gefühl von Verbundenheit oder Abenteuer vermittelt), kannst du mit einer Freundin oder Freund abmachen und von Herz zu Herz austauschen. Das hilft. Oder du unternimmst eine Wanderung oder so. Auch das hilft.
Eine Frage an dich: was versprichst du dir von…
- Pornografie?
- Applaus anderer?
- Frustessen?
- Frustshoppen?
- Von Neid?
- Von Überheblichkeit?
- Dich selbst zu rühmen?
Was denkst du, was du da bekommst? Welchen Schmerz willst du damit stillen? Welche Leere füllen? Und noch eine Frage: warum nimmst du den Schmerz, die Leere oder den Frust nicht und hältst ihn vor dem Angesicht Gottes aus? Klar: es tut weh. Klar: es ist unangenehm. Aber: es wird besser werden – nachhaltig besser werden.
So kannst du das machen:
- Du wirst dir bewusst, was dich schmerz, wo du dich leer fühlst, wo deine Bedürfnisse nicht gestillt sind. Fühle es.
- Du nimmst das uns hältst es aus, im Bewusstsein, dass Gott mit dir da ist. Nimm seine Gegenwart in deinem Schmerz, Frust, Leere etc. wahr. Halte es aus.
- Bitte ihn, dass er deine ungestillten Bedürfnisse mit seiner Liebe, Güte, Annahme stillt.
Hier kannst du meine Predigt zu dem Thema Nachhören: