
Leider müssen wir festhalten: Das neue Jahr beginnt wenig hoffnungsvoll. Krisen und Tragödien prägen schon die ersten Tage im neuen Jahr:
- In Crans-Montana sind – kaum im neuen Jahr angekommen – mehrere Dutzend Menschen auf tragische Weise ums Leben gekommen.
- In der Ukraine wütet noch immer Krieg.
- Die USA greifen Venezuela an.
Neue Hoffnung im neuen Jahr scheint schon im Keim erstickt zu werden. Aber Achtung! Die Jahreslosung für das aktuelle Jahr setzt zum Konter an:
«Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der, der auf dem Thron sass, sprach: Siehe, ich mache alles neu!»
Offenbarung 21,4–5
Wie kann das nicht ein billiger Trost sein? Wie kann das nicht bloss ein Vertrösten sein?
Der christliche Glaube ist ein Glaube an Gott, den Vollender. An Gott, der noch einmal alles erneuern wird. Das bedeutet: Das letzte Wort über uns, unsere Mitmenschen und über die Welt ist noch nicht gesprochen.[1]
Man kann nun sagen: Damit ist fürs Hier und Heute noch gar nichts gewonnen! – oder etwa doch?!
Zu wissen, dass die Verhältnisse nicht immer so bleiben, wie sie aktuell sind, stiftet Hoffnung und lässt Widerstandskraft aufleben. Zu glauben und zu hoffen, dass die Umkehrung der leidvollen, tragischen, schmerzlichen und ungerechten Verhältnisse schon begonnen hat – und von Gott ganz vollendet wird[2] –, setzt neue Lebenskräfte frei.
Hier geht es nicht um ein Vertrösten aufs Jenseits, sondern um eine Revolution, die im Diesseits beginnt und einmal vollendet wird. Um den Himmel, der sich in die Welt einmischt. Gott, der Vollender, ist am Werk; die aktuellen Verhältnisse werden nicht immer so bleiben und haben nicht das letzte Wort. Nein: Das letzte Wort hat Gott – und es ist noch nicht gesprochen.[3]
So naiv das klingt: Es wird gut werden! Es besteht Grund zur Hoffnung. Eigentlich ist das gar nicht naiv: Natürlich gibt es keine Garantie oder Sicherheit, dass in diesem Leben alles gut werden wird, wohl aber eine begründete Hoffnung, dass Gott einmal alles neu und heil machen wird. Dass die Verhältnisse nicht auf ewig so bleiben, wie sie sind. (Übrigens gibt es auch keine Garantie, dass sich nicht schon in unserer Lebenszeit Verhältnisse zum Besseren wenden werden.)[4]
«Siehe, ich mache alles neu!» spendet uns Trotz-Kraft. Trotz Krieg, Ungerechtigkeit, Tragödien und Leid gehen wir hoffnungsvoll voran – der Zukunft entgegen. Gott, dem Vollender, entgegen. Der neuen Schöpfung entgegen; und wir erwarten, dass diese neue Schöpfung schon im Hier und Jetzt immer wieder auf- und anbricht. Und dass einmal alles neu und gut sein wird.
«Nichts, was jetzt besteht, kann und soll so bleiben, wie es ist; denn die vollkommene Gabe Gottes ist größer als alles, was wir jetzt empfangen», so Schlatter[5] zu Offenbarung 21,5.
Trotzen wir also den aktuellen Verhältnissen und geben die Hoffnung nicht auf, weil wir eine bessere Zusage von Gott haben: «Siehe, ich mache alles neu!».
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[1] Küng, Existiert Gott (S. 720)
[2] Konradt, Das Evangelium nach Matthäus (S. 67)
[3] Peterson, Reversed Thunder (S. 169ff)
[4] Peterson (S. 172f)
[5] Schlatter, Die Briefe und die Offenbarung des Johannes (S. 273)

